28.05.2018 / Artikel / /

Richtig bewahren heisst sanft weiterentwickeln

In Riehen stehen zwei Abstimmungen vor der Türe, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemein haben: Bei der einen geht es darum, ob die Rössligasse saniert wird – respektive, ob sie auch aufgewertet werden darf, wie das mit dem Dorfkern geschehen ist. Bei der zweiten Abstimmung geht es darum, ob in 100 Metern Luftlinie entfernt, die Voraussetzung mittels Bebauungsplan geschaffen wird, dass künftig unter dem heutigen Gemeindeparkplatz eine Tiefgarage entstehen kann, womit massiv mehr Parkplätze zur Verfügung stünden. Wer diese baut und wie sie finanziert würde, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht klar.

Gegen diese beiden Beschlüsse des Einwohnerrates wurde das Referendum ergriffen, weshalb die Riehener Bevölkerung am 10. Juni darüber abstimmt. Die beiden Referenden wurden während des Wahlkampfes der Gesamterneuerungswahlen ergriffen, was nicht ganz unbedeutend ist. Spannend ist, dass beide Parteien, die das Referendum ergriffen haben – nämlich die FDP und die SVP – im Parlament bei den Wahlen einen Sitz verloren haben. Die These, wonach die Referenden als Wahlkampflokomotiven dienten, ist damit schon mal widerlegt.

Es geht bei beiden Beschlüssen um sehr viel mehr. Nämlich darum, ob sich das Riehener Dorf weiterentwickeln kann, so wie dies mit der Dorfkernumgestaltung bereits teilweise geschehen ist – auch diese musste übrigens eine Volksabstimmung überstehen.

Oft wird behauptet, mal wolle diese Entwicklung nicht, um das aktuelle Bild des Dorfes zu bewahren. Doch wer einige Jahrzehnte zurückblickt, stellt fest, dass auch in Riehen Stillstand Rückschritt bedeutete. Mitte der 70er Jahre betrieb die Migros eine der grössten Filialen der Region in Riehen – Restaurant inklusive. Neben den beiden, heute von der Gemeinde unterstützten Restaurants, gab es damals sechs weitere, heute sind es noch vier. Das Restaurant HAN schliesst auf Ende Mai – dann sind es noch drei. In den 70er Jahren war Ladenfläche in Riehen heiss begehrt und beinahe jedes Geschäft hatte kleinere oder grössere Expansionspläne. Und heute? Ladenflächen stehen leer, etwas ausserhalb des Zentrums aber auch mittendrin. Aus jahrelangem Nichtstun wurde stetiger Rückschritt. Richtig bewahren lässt sich ein funktionierendes Dorfzentrum also nur mit einer sanften Entwicklung.

Dabei hat sich in Riehen mit der Fondation Beyeler eine unglaubliche Chance eröffnet. Mittlerweile kommen über tausend Menschen jeden Tag nach Riehen, um das meistfrequentierte Museum der ganzen Schweiz zu besuchen. Es gibt also nicht nur 21‘000 Einwohner, die in Riehen einkaufen und konsumieren könnten, sondern jährlich auch über 400‘000 Besucher. Riehen sollte für diese Menschen das Versorgungszentrum sein. Leider ist dies im Moment nicht der Fall – viele Riehener kaufen in Basel und im benachbarten Ausland ein und Museumsbesuchende genauso. Durch das Aussterben der Restaurants verliert Riehen zusätzlich an Leben.

Um all‘ diese Personen in unser Dorfzentrum zu locken, benötigt dieses dringend eine Auffrischung. Für bekennende Kunstinteressierte aus dem In- und Ausland wirkt das Riehener Dorfzentrum – besonders von der Rössligasse her – einfach nicht wie ein interessantes Schmuckstück. Für Einwohnende fehlt für den täglichen Einkauf oft ein bequemer und zentraler Parkplatz.

Beide Probleme liessen sich lösen, indem wir am 10. Juni zwei Mal mit JA stimmen.

Patrick Huber ist Riehener CVP-Einwohnerrat und Mitglied des Unterstützungskomitees

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