18.09.2020 / Artikel / /

Ein erhöhter Kinderabzug ist sozial und gerecht

Dass man mit einem höheren Steuerabzug und damit tieferen Steuern nur jene entlasten kann, die auch Steuern bezahlen ist klar. Das linke Gegenargument, wonach Ärmere nie entlastet würden ist Unsinn. Sogar das Gegenteil ist der Fall: Auf Bundesebene hat in den letzten Jahren niemand anderes mehr profitiert und dies völlig zurecht – nur dieses Mal geht es um die Steuerzahlenden.

Es ist eine altbekannte Geschichte und doch illustriert sie Steuerthemen erfrischen einfach: Drei Freunde gehen in ein Restaurant für ein Feierabendbier. Von den Freunden hat einer ein hohes Einkommen, einer ein mittleres und einer schlägt sich gerade so durch. Als es ums Bezahlen geht, übernimmt der Gutverdienende zwei Biere und lädt den Freund mit den wenigsten finanziellen Mitteln ein, der mittlere bezahlt sein Bier selbst. Kurz darauf kommt der Wirt wieder an den Tisch und erklärt, dass das Bier bei ihm einen Franken günstiger wurde und legt drei Franken auf den Tisch.

Wer soll nun wieviel von den drei Franken erhalten?
Ich meine der mittlere sollte einen Franken zurückerhalten und der, der zwei Biere bezahlt hat, sollte zwei Franken zurückerhalten. Derjenige der eingeladen wurde, geht bei dieser Aktion leer aus. Immerhin hat er aber ein Bier umsonst erhalten.

Genau darum geht es nun bei der Abstimmung über die Erhöhung der Kinderabzüge. Das Parlament will den Anreiz erhöhen, dass Paare früher wieder arbeiten gehen bzw. ihr Pensum erhöhen – klar ist, dass das nur funktioniert, wenn ein Anreiz besteht. Schliesslich geht niemand für netto weniger Geld mehr arbeiten. Nun bezahlen jedoch 46 Prozent der Familien keine direkte Bundessteuer. Dies ist so weil diese Steuer extrem progressiv ausgestaltet ist und so dafür sorgt, dass Familien erst ab dem Mittelstand einen Beitrag via direkte Bundessteuer ans Bundesbudget leisten müssen. Diese Familien, die alle ihre Ausgaben selber finanzieren, keine oder kaum staatliche Unterstützung erhalten und im Gegenteil den Staat noch mitfinanzieren, möchte das Parlament nun ein wenig entlasten. Insgesamt geht es um 380 Millionen Franken, die 54% steuerzahlenden Familien pro Jahr weniger an den Bund abliefern müssten

Was ist mit all den anderen Menschen – gehen die leer aus?
Bei dieser Abstimmung, ja. Von den 380 Millionen Franken profitieren diese nicht. Wenn man aber den Bogen etwas grösser spannt, ist erkennbar, dass das Bundesbudget sich in den letzten Jahren nur in eine Richtung bewegt hat, gegen oben. Den schnellsten Anstieg verzeichnet dabei der Bereich «Soziale Wohlfahrt», wo die Sozialversicherungen angesiedelt sind. Davon profitieren Menschen mit wenig finanziellen Mitteln am meisten. Da das Bundesbudget ja u.a. über die progressive direkte Bundessteuer gespiesen wird, bezahlen ärmere Menschen dafür auch sehr wenig ein. Für die soziale Wohlfahrt gibt der Bund pro Jahr 24 Milliarden Franken aus – also 63 Mal so viel, wie jetzt die Steuerzahlenden entlastet werden sollen. Dies als Vergleich.

Umgekehrt sind die Abzüge und damit auch die maximale Ersparnis mit der Erhöhung der Kinderabzüge gedeckelt. Mehr als 910 Franken pro Jahr kann keine Familie profitieren, egal wie viel sie verdient und wie viel Bundessteuern sie bezahlt. Eine Illustration darüber, wer wie viel profitiert im Verhältnis dazu, wie viel jemand bezahlt, zeigt eine gute Annäherung.

Quelle: Luca Urgese, Präsident FDP Basel-Stadt

Man sieht es fast nicht, aber der rote Bereich stellt die Entlastung dar. Tatsächlich ist das kein grosser Wurf, aber doch eine kleine Entlastung für jene Familien, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und mit ihren Steuergeldern noch andere mitfinanzieren. Gleichzeitig ist es auch ein Anreiz, eher oder mehr arbeiten zu gehen. So können wir dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Deshalb JA zur Erhöhung der Kinderabzüge am 27. September!

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