Wahlsystem: Proporz und Majorz

Zwei Verfahren, zwei Logiken

Das Wahlverfahren entscheidet mit darüber, wie sich ein Parlament zusammensetzt. In der Schweiz kommen beide Grundtypen nebeneinander vor: der Proporz für den Nationalrat und in fast allen Kantonen der Majorz für den Ständerat.

MerkmalProporzMajorz
GrundideeSitze nach Stimmenanteil der ListenGewählt ist, wer die meisten Stimmen hat
AnwendungNationalrat, die meisten KantonsparlamenteStänderat, Regierungswahlen, kleine Wahlkreise
WirkungAuch kleinere Gruppierungen erhalten SitzeBegünstigt breit abgestützte Kandidaturen
WahlzettelListe, veränderbar durch Streichen, Kumulieren, PanaschierenEinzelne Namen, freie Zusammenstellung

Nationalratswahlen im Proporz

Jeder Kanton bildet einen Wahlkreis. Die Sitzzahl richtet sich nach der Bevölkerung, mindestens ein Sitz pro Kanton. In Kantonen mit nur einem Sitz fällt der Proporz faktisch mit dem Majorz zusammen, weil ein einzelner Sitz nicht proportional verteilt werden kann.

Die Verteilung erfolgt in zwei Schritten: Zuerst werden die Sitze auf die Listen verteilt, danach innerhalb jeder Liste auf die Kandidierenden mit den meisten Stimmen. Angewendet wird das Verfahren nach Hagenbach-Bischoff mit einer Verteilzahl und anschliessenden Restmandaten.

Was Wählende mit dem Zettel machen können

  • Unverändert einlegen: Alle Stimmen gehen an die Liste und ihre Kandidierenden.
  • Streichen: Einzelne Namen entfernen, die Stimme bleibt bei der Liste.
  • Kumulieren: Einen Namen zweimal aufführen, mehr geht nicht.
  • Panaschieren: Namen von anderen Listen übernehmen. Die Stimme zählt dann für die Person und für deren Liste.

Listenverbindungen

Listen können sich verbinden. Bei der Sitzverteilung gelten verbundene Listen zunächst als eine Einheit, erst danach werden die Sitze innerhalb der Verbindung aufgeteilt. Das nützt vor allem kleineren Listen, die allein an der Verteilzahl scheitern würden. Kritisiert wird, dass die Wirkung für Wählende schwer nachvollziehbar ist.

Ständeratswahlen im Majorz

Das Verfahren bestimmen die Kantone. In den meisten gilt der Majorz: Im ersten Wahlgang braucht es das absolute Mehr, im zweiten genügt das relative Mehr. Zwei Kantone wählen im Proporz. Weil pro Kanton nur ein oder zwei Sitze zu vergeben sind, entscheidet die Persönlichkeit stärker als bei Proporzwahlen, und Veränderungen brauchen mehr Zeit.

Wahlrecht und Termine

Wahlberechtigt sind Schweizerinnen und Schweizer ab 18 Jahren. Die Gesamterneuerungswahlen finden alle vier Jahre im Oktober statt, danach konstituieren sich die Räte in der Wintersession und wählen den Bundesrat. Kantonale Wahlen laufen in eigenen Rhythmen, in Basel-Stadt etwa für Grossen Rat und Regierungsrat gemeinsam.

Warum die Verfahren so unterschiedlich wirken

Im Proporz zahlt sich Programmtreue aus, weil Listenstimmen zählen. Im Majorz gewinnt, wer über das eigene Lager hinaus wählbar ist. Deshalb unterscheidet sich die parteipolitische Zusammensetzung von Nationalrat und Ständerat systematisch, obwohl beide Kammern am selben Tag gewählt werden. Mehr dazu bei den Parteien.

Häufige Fragen

Was bedeutet Panaschieren?

Namen von einer anderen Liste auf den eigenen Wahlzettel zu übernehmen. Die Stimme zählt dann sowohl für die Person als auch für deren Liste.

Warum ist der Ständerat anders zusammengesetzt als der Nationalrat?

Weil die meisten Kantone ihre Ständeratsmitglieder im Majorz wählen. Dort setzt sich durch, wer über das eigene Lager hinaus Stimmen holt, während der Proporz Listenstärken abbildet.

Ab welchem Alter darf man wählen?

Auf Bundesebene ab 18 Jahren. Einzelne Kantone haben ein tieferes Stimmrechtsalter für kantonale Angelegenheiten eingeführt oder darüber abgestimmt.