Lexikon der Schweizer Staatskunde

Begriffe kurz erklärt, mit Verweis auf die ausführliche Seite

Die folgenden Stichworte fassen die wichtigsten Begriffe in einem Satz zusammen. Jeder Eintrag verweist auf die Seite, auf der das Thema ausführlich behandelt wird.

A

Amtsdauer

Reguläre Legislaturperiode auf Bundesebene. Nationalrat, Ständerat und Bundesrat werden für vier Jahre bestellt.

B

Bundesgericht

Oberste rechtsprechende Behörde des Bundes mit Sitz in Lausanne. Bundesgesetze selbst kann es nicht aufheben.

Bundeskanzlei

Stabsstelle von Bundesrat und Bundesversammlung. Sie prüft unter anderem Unterschriften von Initiativen und Referenden.

Bundespräsidium

Jährlich wechselnder Vorsitz im Bundesrat. Es verleiht keine zusätzliche Macht, sondern nur den Vorsitz in der Kollegialbehörde.

Bundesrat

Siebenköpfige Regierung des Bundes, gewählt von der Vereinigten Bundesversammlung, entscheidet als Kollegium.

Bundesverfassung

Grundordnung des Bundes von 1848, totalrevidiert 1874 und nachgeführt 1999. Jede Änderung braucht eine Volksabstimmung.

Bundesversammlung

Das Parlament aus Nationalrat und Ständerat. Beide Kammern sind gleichberechtigt.

D

Differenzbereinigung

Verfahren, mit dem National- und Ständerat abweichende Beschlüsse zu einer gemeinsamen Fassung zusammenführen.

Direkte Demokratie

System, in dem die Stimmberechtigten über Sachfragen selbst entscheiden und Vorlagen selbst anstossen können.

Doppeltes Ja

Möglichkeit, bei Initiative und Gegenentwurf beiden Vorlagen zuzustimmen und in der Stichfrage eine Präferenz anzugeben.

E

Einheit der Materie

Gültigkeitsvoraussetzung einer Volksinitiative. Der Text muss einen sachlichen Zusammenhang haben.

F

Fakultatives Referendum

Abstimmung über ein beschlossenes Bundesgesetz, wenn 50'000 Stimmberechtigte oder acht Kantone sie innert 100 Tagen verlangen.

Fraktion

Zusammenschluss von mindestens fünf Ratsmitgliedern. Nur Fraktionen erhalten Sitze in den Kommissionen.

Föderalismus

Aufteilung der Staatsaufgaben auf Bund, 26 Kantone und die Gemeinden.

G

Gegenentwurf

Alternative von Parlament oder Bundesrat zu einer Volksinitiative, über die gleichzeitig abgestimmt wird.

Grosser Rat

Kantonsparlament von Basel-Stadt mit 100 Sitzen, gewählt im Proporz.

H

Halbkanton

Historische Bezeichnung für sechs Kantone mit einem statt zwei Ständeratssitzen und halber Standesstimme.

I

Initiativkomitee

Gruppe von 7 bis 27 Stimmberechtigten, die eine Volksinitiative verantwortet und zurückziehen kann.

K

Kollegialitätsprinzip

Grundsatz, dass alle Mitglieder des Bundesrats einen gefassten Beschluss nach aussen mittragen.

Kommission

Vorberatendes Gremium der Räte. Hier fällt der grösste Teil der inhaltlichen Arbeit an.

Konkordanz

Praxis, alle grossen politischen Kräfte in die Regierung einzubinden statt eine Opposition zu bilden.

Kumulieren

Eine Kandidatin oder einen Kandidaten auf dem Wahlzettel zweimal aufführen.

M

Majorz

Mehrheitswahlverfahren, angewendet etwa bei Ständeratswahlen und in Regierungswahlen.

Milizsystem

Politische Ämter werden neben dem Beruf ausgeübt. Prägt Parlament und Gemeindebehörden.

Motion

Parlamentarischer Vorstoss, der den Bundesrat zu einer Vorlage oder Massnahme verpflichtet.

N

Nationalrat

Grosse Kammer mit 200 Sitzen, verteilt nach Bevölkerung auf die Kantone.

O

Obligatorisches Referendum

Zwingende Volksabstimmung, etwa bei jeder Verfassungsänderung. Verlangt Volks- und Ständemehr.

P

Panaschieren

Namen von anderen Listen auf den eigenen Wahlzettel übernehmen.

Proporz

Verhältniswahlverfahren. Die Sitze werden nach Stimmenanteil der Listen verteilt.

R

Regierungsrat

Kantonsregierung von Basel-Stadt mit sieben Mitgliedern, im Majorz gewählt.

S

Stichfrage

Entscheidfrage, falls Initiative und Gegenentwurf beide angenommen werden.

Stimmrechtsausweis

Persönliche Unterlage, die zur Teilnahme an einer Abstimmung berechtigt.

Ständemehr

Zusätzliche Mehrheit der Kantone, die bei Verfassungsvorlagen zum Volksmehr hinzukommen muss.

Ständerat

Kleine Kammer mit 46 Sitzen, in der die Kantone unabhängig von ihrer Grösse vertreten sind.

Subsidiarität

Grundsatz, dass die jeweils tiefere staatliche Ebene eine Aufgabe übernimmt, solange sie das kann.

V

Vernehmlassung

Konsultation von Kantonen, Parteien und Verbänden zu einem Gesetzesentwurf vor der Botschaft.

Volksinitiative

Begehren von 100'000 Stimmberechtigten auf eine Änderung der Bundesverfassung.

Volksmehr

Mehrheit der gültigen Stimmen in einer eidgenössischen Abstimmung.

Z

Zauberformel

Verteilschlüssel für die Bundesratssitze unter den grossen Parteien, erstmals 1959 angewendet.

Zweikammersystem

Aufbau des Parlaments aus zwei gleichberechtigten Kammern mit unterschiedlicher Vertretungslogik.